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Über ein absolutes Traumlos freuen sich die Wasserballer des HSC Hellas-1899. Der Zweitligist empfängt im Wettbewerb um den Deutschen Wasserballpokal am Donnerstag den Deutschen Meister WaSpo 98 Hannover im Hildesheimer Freibad an der Johanniswiese. Anpfiff ist um 20 Uhr. Für Zuschauer gilt die 3-G-Regel.

Den Startplatz unter den letzen 16 Teams hatten sich die Hellenen vor zweieinhalb Wochen durch einen hochdramatischen 10:9-Sieg über den Erstligisten Rhenania-Poseidon Köln erkämpft. Dass gegen den Supercup-Gewinner eine weitere Überraschung drin liegt, ist allerdings utopisch. Im Fußball kann es durchaus passieren, dass ein Zweitligist ein Topteam aus dem Wettbewerb kickt, im Wasserball ist die Option darauf gleich Null. Deshalb hatten die Hildesheimer gehofft, vielleicht einen Klub aus der B-Gruppe der Bundesliga zu ziehen und eine kleine Chance auf das Viertelfinale zu haben.
Nun kommt nicht nur einer der dicken Brocken, sondern gleich der Dickste von allen. Denn die Hannoveraner sind derzeit die Nummer eins im Land, haben sogar den früheren Abonnementmeister Spandau 04 Berlin überflügelt. Im Sommer schaffte Waspo den Einzug in das Finalturnier der Champions League, erreichte Platz sechs in Europa.
Dahinter steckt harte Arbeit. Um auf internationalem Niveau mitzuhalten, sind professionelle Strukturen nötig. Die Hannoveraner, die sich derzeit auf die neue Saison vorbereiten, steigen achtmal pro Woche ins Wasser, dazu kommen drei Krafteinheiten. Die Hellenen haben wöchentlich maximal drei bis vier Termine. Trotz der aussichtslosen Lage gibt sich HSC-Trainer Dragan Dobric kämpferisch und will mit seiner Truppe so gut wie möglich dagegen halten. Sein Ziel: Vielleicht eines der vier Viertel nicht zu verlieren. Für ihn ist das Duell ein echtes Highlight für alle Aktiven und Sportfreunde. "Da kommen echte Stars im Wasserball zu uns, das sind die besten Herren, die derzeit in Deutschland spielen."
Jedenfalls taucht in Hildesheim nicht die zweite Garde auf, Waspo-Trainer Karsten Seehafer kündigt die Bestbesetzung an. Nur Nationaltorwart Moritz Schenkel fehlt, dafür feiert sein Vertreter Kevin Götz nach langer Verletzung ein Comeback, der ebenfalls zu den besten Keepern der Bundesliga zählt. "Und wir bringen auch alles mit, was Schütze heißt", sagt Karsten Seehafer.
Denn das Aufeinandertreffen hat eine pikante Begleiterscheinung. Mit dem 22-jährigen Nationalspieler Fynn Schütze mischt nicht nur ein Hildesheimer im Profikader mit. Sein 19-jähriger Bruder Linus, der dem Juniorennationalteam angehört, ist im Sommer zu Waspo gewechselt und will in die Wasserball-Spitze. In der Jowiese treffen die beiden nun auf ihre Brüder Noah (21) und Caspar (17) Schütze, die für Hellas-99 in der zweiten Liga die Kappen schnüren.
Und die Vorfreude auf beiden Seiten ist groß. "Das ist ein besonderes Spiel", sagt Fynn Schütze, der wie Linus im Herzen noch immer Hellene ist und eine enge Bindung zu seinem Heimatverein pflegt. Erst am vergangenen Samstag mischten beide beim internen Hellas-Cup-Spaßturnier mit. Dass sie nun ausgerechnet in der Jowiese, in der sie aufgewachsen sind, zu einem Pflichtspiel gegen ihre Brüder antreten, verleiht dem Pokal-Hit eine familiäre Brisanz. Hellas-99-Center Noah Schütze reibt sich jedenfalls die Hände. "Ich will gegen jeden meiner Brüder ein Tor machen", kündigt er mit einem Lächeln an. Dass das gelingt, ist nicht sehr wahrscheinlich. Versuchen will er es trotzdem.
Für ihren Vater Rainer Schütze ist so ein Duell unter Brüdern übrigens nichts neues. Vor knapp 31 Jahren standen sich schon einmal vier Schützes in der Wasserball-Bundesliga gegenüber. Dirk und Stefan waren zu WaSpo gewechselt, um dort Meister zu werden. Rainer und Torsten spielten weiter für den HSC. Zweimal trafen die vier Schützes aufeinander, die Siege gingen beide Male deutlich nach Hannover. Bei diesem Pokalspiel wird sich die Geschichte vermutlich wiederholen.

Bild: Duell unter Brüdern: Die Hellas-Wasserballer Caspar und Noah Schütze wollen ihre Brüder Linus und Fynn versenken. Beide kommen mit Waspo 98 in die Jowiese. Foto: rwe