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Besser hätte der Neustart nach eineinhalb Jahren Wettkampfpause nicht ausfallen können. Die Zweitliga-Wasserballer des Hellas-1899 haben die Hauptrunde um den Deutschen Pokal erreicht. Sie nutzten ihr Heimrecht und bezwangen beim Qualifikationsturnier im Freibad an der Johanniswiese die SG Stadtwerke München mit 11:5 (2:3, 3.1, 2:0, 4:1) und die SG Rhenania/Poseidon Köln mit 10:9 (2:3, 3:1, 2:5, 3:0).

Vor allem das zweite Match, im dem es für beide Klubs um das Weiterkommen ging, hätte strahlenden Sonnenschein verdient gehabt, doch dunkle Wolken und Regen begleiteten das hochemotionale Duell gegen den favorisierten Bundesligisten aus Köln. Die Rheinländer hatten zuvor die Münchener mit 23:5 (4:0, 6:0, 7:3, 6:2) regelrecht zerlegt, ein Remis gegen den HSC hätte ihnen für den Turniersieg gereicht. Und die dicke Chance war da. 41 Sekunden vor Abpfiff kassierten die Hellenen noch eine Hinausstellung. Die Spielgemeinschaft nahm extra eine Auszeit, um die Überzahl genau zu planen. Vergeblich. Köln vergeigte den Vorteil, die Hildesheimer erkämpften sich den Ball und gaben ihn in den letzten 25 Sekunden nicht mehr her.
Der Jubel war groß über den Überraschungs-Coup, denn die Gäste kamen bestens vorbereitet in die Jowiese, hatten als Bundesligist im vergangenen Halbjahr schon wieder richtig um Punkte spielen dürfen. Dass ihnen das nichts nützte, lag an dem kompakten Auftritt des HSC, der vor allem von der Rückkehr Ilja Immermanns profitierte. Aber nicht alleine der ehemalige Nationalspieler, der zwischen 2004 und 2010 drei deutsche Jugendmeisterschaften mit Hildesheim geholt hatte, bewies besten Wasserballverstand. Auch seine einstigen Weggefährten Daniel Weiterer und Alexander Schwarz stachen heraus aus einem homogenen Gefüge.
Das Trio bildete den Kern der Hellas-99-Truppe, die sich von der robusten Gangart der Kölner nicht beeindrucken ließ. "Wir haben die Leistungsträger gut ausgeschaltet", freut sich Trainer Dragan Dobric über die clevere Abwehrleistung gegen die schwimmstarken Kontrahenten, die sich nie absetzen konnten und kurz vor der Halbzeit mit Louis Winkels einen ihrer besten Männer wegen groben Foulspiels verloren. Aber auch bei den Gastgebern gab es eine rote Karte mit Folgen. Ausgerechnet Routinier Ilja Immermann ließ sich im dritten Viertel provozieren, wurde beim Stand von 6:5 für den HSC ausgeschlossen.
Coach Dragan Dobric schwante Böses, auch wenn es ihm gelang, sein Team zu beruhigen. "Wir wollten unser Konzept durchhalten." Keine vermeidbaren Ballverluste, keine unnötigen Gegenkonter lautete die Devise. Dennoch roch es vor dem letzten Viertel nach einer Niederlage. Mit 7:9 Toren lagen die 99er hinten, die Kölner hatten Oberwasser, brachten aber im Schlussabschnitt nichts mehr unter. HSC-Torwart Marcel Wiegand fischte alles weg, was auf seinen Kasten kam. Die HSC-Truppe ackerte im Angriff und wurde belohnt. In der Schlussphase knallte Florian Weiterer aus dem Rückraum den Ball ins Netz, Daniel Weiterer veredelte einen brillanten Querpass von Alex Schwarz, und Noah Schütze nutzte in einem Konter einen Abpraller, um die Partie tatsächlich noch zu drehen.
"Der Willen und die Disziplin stimmten", lobt Dragan Dobric, der nun gespannt auf die Auslosung der nächsten Pokalrunde wartet, die am 18. und 19. September ausgespielt wird. Außer dem Hellas-99 liegen noch die Sportliche Vereinigung Laatzen als Zweitligist und 14 Erstligisten mit im Topf. Der Trainer wünscht sich wieder ein Heimspiel - wenn möglich mit gleichem Ausgang und vielleicht etwas mehr Sonnenschein.
Hellas-99: Marcel Wiegand (im Tor); Noah Schütze (4), Florian Weiterer (2), Daniel Weiterer (2), Alexander Schwarz (7), Daniel Froböse Vasquez, Nikita Keil, Ilja Immermann (5), Torben Weiterer (2), Tim Nowack, Julius Witte, Cilian Schäfer, Caspar Schütze (1), Henrik Richter.
Bild: Sicherte seinem Klub am Ende das Weiterkommen im Wasserpokal: der starke Hellas-99-Torwart Marcel Wiegand. Foto: HaJo Höhler