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Die Wildecker Herzbuben sind immer mit dabei, wenn Ida Weiterer groß Geburtstag feiert. Das war zum 60. so und zum 70., zum 75. und zum 80. oder auch bei der Goldhochzeit mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann Kurt vor mehr als zehn Jahren. "Weil wir Freunde sind" singt das Duo, und die 85-jährige Hildesheimerin schunkelt mit ihren Gästen auf der Tanzfläche. Ich bin mit dabei, als Sohn keine Frage.

Eine Frage ist eher, ob ich als Journalist über meine Mutter schreiben darf. Die kritische Distanz mag fehlen, doch Ida ist eine wahre Heldin -  wie es auch viele andere in Stadt und Kreis geben mag. Jemand, der über Jahrzehnte ehrenamtlich mitgeholfen hat, Verantwortung übernahm und auch Posten bekleidete, ohne dabei jemals in der ersten Reihe zu stehen.
Jan Heinemann ist zur Geburtstagsfeier gekommen, er ist Vorsitzender des HSC Hellas-1899, dem Ida – so nennt sie jeder - mittlerweile seit 70 Jahren angehört. Bei der Jahresversammlung in ein paar Tagen bekommt sie den Ehrenbrief in Gold, die höchste Auszeichnung im Klub. Zum 85. bedankt sich der Vereinschef schon mal vorab mit Blumen in rot-gelb. "Ich habe extra nochmal in die Chronik geschaut, aber kaum etwas über Dich gefunden", sagt er bei der Übergabe. Ida lächelt, sie hat nichts anderes erwartet.
Jan Heinemann weiß aber, dass seine Ehefrau Bianca in den Neunzigern bei Ida das Schwimmen lernte. Genau dokumentiert hat das niemand, aber es dürften um die 15 bis 20 Jahre gewesen sein, in denen sich die selbständige Friseurmeisterin einmal pro Woche zwei Stunden lang um die Anfänger und die Fortgeschrittenen kümmerte, erst mit 70 Jahren war damit Schluss. Die Kinder liebten ihre Trainerin, auch wegen der Trommel mit den Süßigkeiten, die nach jedem Schwimmen als Belohnung am Ausgang wartete. Für die Schnellsten gab es sogar zwei Gummibärchen. Um ganz viel Süßes und jede Menge Spaß ging es auch beim Jugendfasching oder Kinderfesten, die sie federführend organisierte. Als Mutter von drei Söhnen und mittlerweile achtfache Oma konnte sie jede Menge eigene Erfahrungen mit einbringen.  
Ida gehörte aber schon lange Zeit davor zu den Aktivposten im Hellas-99. Als Jan Heinemann 1983 geboren wurde, gewann der HSC die erste Deutsche Jugendmeisterschaft. Ida war als Hellenin und Mutter mittendrin, backte Kuchen, saß oft mit am Spielprotokoll, pflegte die sozialen Kontakte. Ihr Ehemann Kurt sorgte zusammen mit dem damaligen Vorsitzenden Wolfgang Schütze in den 70ern und 80ern als Trainer und Wasserballwart für die Grundlage, doch  ohne Ida wäre das wohl nie so gut gelungen. Es gab kaum ein Turnier und keine Meisterschaft in diesen Jahrzehnten, die sie nicht nur begleitete, sondern bei denen sie sich auch einbrachte, und wenn sie nur als Fan dafür sorgte, dass die Trompeten und Glocken an Bord waren.
Es war die Zeit, in der sich der Hildesheimer Wasserball auf Bundesebene einen Namen machte. Insgesamt fünf deutsche Jugendmeisterschaften gewann der Hellas-99 seitdem, dazu gab es einige Medaillen. Dreimal stieg der Klub in die Bundesliga auf, war insgesamt zwölf Jahre erstklassig und mischte mit in einigen Play-Off-Runden.
Und der Erfolg brauchte immer viele Helfer, Ida war eine davon und immer präsent. Der Hellas-99 und die Jowiese waren schon in Jugendtagen zu ihrer Heimat geworden, blieben es in all der Zeit, später im Ruhestand kümmerte sie sich einige Jahre mit ihrem Ehemann um das Klubhaus. Auch wenn sie keine Aufgabe mehr hat, das Pflichtbewusstsein fließt auch mit 85 durch ihre Adern. Da können vor dem Klubhaus alle warten, um sich bei der Braunkohlwanderung auf den Weg zu machen, Ida fasst drinnen erst mal auf alle Blumen. Vielleicht braucht ja eine etwas Wasser. Roland Weiterer
Bildunterschrift:
Ihre Heimat: Ida Weiterer mit Ehemann Kurt am Anfang der 90er Jahre vor den Hellas-99-Klubhäusern in der JoWiese.

   
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