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Der Traum vom Sportlerleben unter der Sonne Kaliforniens ist vorbei. „Meine Zukunft liegt in Deutschland“, sagt Fynn Schütze. Der 19-jährige Ausnahmewasserballer vom HSC Hellas-1899 kehrt nicht zurück an die University of Irvine.

Die Entscheidung fiel dem jungen Hellenen nicht leicht, immerhin hatte der Linkshänder wegen seines großen Talentes für vier Jahre ein Stipendium in der Tasche, doch am Ende wurden es nur vier Monate. „Ich habe mich dort nie richtig wohl gefühlt“, sagt er rückblickend. Dabei gab es sportlich nichts zu klagen. Das Niveau war gut, das Team der UCI schnitt besser ab als je zuvor, Fynn Schütze wurde zum besten Newcomer der Liga gekürt.
Körperlich machten sich das harte Training und die vielen Spiele allerdings  bemerkbar. Wegen einer Schulterverletzung hatte Fynn Schütze seinen Winterurlaub in Hildesheim verlängert und dabei den Entschluss gefasst, sein Glück nicht länger in den USA zu suchen. „Die Menschen sind offen, aber auch sehr oberflächlich“, sagt er. Die Wegwerfgesellschaft, die bei vielen Amerikanern übliche Prahlerei und Selbstgefälligkeit liefen ihm gegen den Strich. „Ich wollte mich nicht verstellen und meinen Ansichten treu bleiben.“
An der Universität lag es nicht, betont er, sie verschaffte ihm gute Rahmenbedingungen. „Anfangs war es cool. Den Strand in der Nähe und immer Sonne.“ Doch heimisch wurde er nie, zumal er sich ohne Führerschein und Auto aufgeschmissen fühlte. „Das sind andere Entfernungen als bei uns, da hilft auch ein Fahrrad wenig.“ So hing er oft auf dem Campus rum und hatte nichts zu tun.
Das Leben in Deutschland mit Freunden und Familie gefällt ihm da weitaus besser, auch wenn er bis zum gewünschten Medizinstudium womöglich sieben Jahren warten muss. Seine berufliche Richtung steht jedenfalls fest, mittlerweile hat der Hildesheimer ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bernward-Krankenhaus angetreten, ist dort in der Kardiologie im Einsatz. „Es gefällt mir sehr gut.“
Und auch sportlich eröffnen sich für den 1,98 Meter großen A-Kader-Athleten beste Perspektiven. Von Meister Spandau 04 Berlin und Pokalsieger Waspo 98 Hannover liegen ihm Angebote vor, mit beiden gab es schon Gespräche. „Eine endgültige Entscheidung steht noch aus“, will sich Fynn Schütze noch nicht in die Karten gucken lassen.
Er würde gerne eine Ausbildung als Krankenpfleger absolvieren, aber ob sich da eine „trainingskompatible“ Stelle findet, ist eher unwahrscheinlich. Wenn er bei einem der deutschen Top-Klubs anheuert, sind bis zu 13 Einheiten pro Woche angesagt. Für einen Job bleibt da kaum noch Zeit, und als Profi sind im Wasserball keine Reichtümer zu ernten.  
Derzeit agiert er wasserballtechnisch im Sparmodus. Die Bundesliga-Saison bei den White Sharks Hannover, für die er spielberechtigt war, ist gelaufen, mit seinem Startrecht als Juniorenspieler steigt er für seinen Stammverein Hellas-99 in der zweiten Liga Nord ins Wasser.
Auch wenn Irvine abgehakt ist, etwas Wehmut trägt Fynn Schütze noch mit sich herum. „Ich war meinem Trainer gegenüber immer ehrlich und bin nicht im Bösen ausgeschieden.“ Noch gibt es Kontakte in die USA und zum Team. Für die US-Wasserballmeisterschaft würde Fynn Schütze sogar nochmal für ein paar Wochen über den Teich fliegen. „Die Spiele haben Spaß gemacht, das war es wert.“ Aber die Lebensweise der Amis, das weiß er jetzt, die ist nichts für ihn.

Bild: Im Einsatz für Hellas-99: Linkshänder Fynn Schütze verzichtet auf das Stipendium in den USA  und wird von den deutschen Topklubs umworben. Foto: Höhler